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04/11: Tourtagebuch München, Teil 7
Dienstag, 3.11.Der Tag der "Premiere" beginnt unspektakulär. M. kommt heim, hat ihren Arzttermin verpasst. Spät mümmeln wir eine geteilte Tiefkühlpizza in uns hinein, dann muss sie in die Hochschule. Ich stapfe später los, die Wiener Straße hinunter zur Isar, am wunderschönen Jugendstilbad entlang, mache einen kurzen Abstecher zum Shop des Deutschen Museums (Souvenirs, Souvenirs) und gehe weiter zum Isartor. Dort, in einem der beiden Türme, ist das Valentin-Karlstadt-Musäum untergebracht.
Ich zahle 1,99 Eintritt und amüsiere mich schon beim Aufstieg durch das enge Treppenhaus am allgegenwärtigen Valentinschen Humor. In der ersten Etage angekommen lenkt mich offensichtlicher Live-Gesang über mir vom Ausstellungsraum ab und ich steige ganz nach oben ins urige, mit Nippes vollgestopfte und gut besuchte Turmstüberl. Dort stehen zwei Damen in Dirndl und singen Volkslieder, ich bleibe neugierig stehen.
Zwei ältere Bayern, nennen wir sie Egon und Berti, laden mich zu sich und ihren Frauen an den Tisch ein, wollen mir etwas zu trinken spendieren. Ich frage, was denn heute hier los sei und erfahre, dass ich zufällig passend zum monatlichen Münchner Volkssänger-Treffen, das immer am ersten Dienstag im Monat hier stattfindet, gekommen bin. Da muss ich natürlich bleiben und bestelle auf Empfehlung von Egon eine "süße Schorle", die sich als Weinschorle entpuppt - und ich habe gleich einen halbe Liter geordert! Lustig, lustig.
Von den Scherzen und Konversationsversuchen sowie auch von den Liedern verstehe ich nur die Hälfte, aber der Wein tut sein Übriges. Trotzdem verabschiede ich mich bald, schließlich will ich das Museum noch sehen und später O. seinen Schlüssel aushändigen.
04/11: Tourtagebuch München, Teil 6
Sonntag, 1.11.Beim Frühstück gesteht mir O., dass er werde Blumenkohl noch Broccoli mag. Allerheiligen steht jedwedem Sonntags-Verkauf im Weg, O. lenkt nach zwei verworfenen Lebensmittel-Beschaffungs-Plänen ein, einfach beides zu probieren.
Strahlender Sonnenschein verdirbt mir ein wenig die Lust, mich in einem kalten, düsteren Probenraum zu verkriechen, aber ich habe meine Hausaufgaben gemacht und will sie nun auch vortragen.
T. lobt meine Arbeit, wir kommen gut voran, ich fühle mich endlich wohl in meinen "Modulen".
Kollegin S. kommt dazu, ich tanke ein wenig Sonne vor dem Eingang, zur Doppelprobe kommt es nicht mehr, weil schon Bühnenbildnerin und Videokünstlerin zur technischen Probe anrücken.
Zuhause mag O. nicht mehr vor dem Rechner sitzen. Wir spazieren durch das Glockenbachviertel zur Isar.
Wir machen Halt an einem "Münchener Ort", der laut SZ "wie Berlin ist" - ein Kiosk mit Spätverkauf direkt am Fluss. Wir kaufen Bier. Auf die Frage, ob der gute Mann hinter dem counter uns die Flaschen auch öffnen könnte, schüttelt der nur den Kopf: "Ich kann's euch nur verkaufen, trinken müsst ihr's selber." Okay, dieser Ort ist nicht wie Berlin - oder?
O. öffnet unsere Biere (Beck's - er, Tegernseer - ich) am schon arg gezeichneten Brückengeländer und wir strollen am Ufer antlang. Die Runde wird kurz, O, ist zum Fußball verabredet. Ich nehme die leeren Flaschen mit nach Hause.
Ich telefoniere lange mit M., schütte ihm mein erschrockenes Herz über Leipzig, das Theatrium und den 15. November aus. Es tut gut, mit ihm zu sprechen.
Ich verbringe den restlichen Spätnachmittag vor dem Rechner, bis O. zurückkommt und verkündet, dass seine Freundin F. im Stau steht und wahrscheinlich erst gegen zehn in München sein wird. Wir sollen schon anfangen zu Kochen.
Ich bin Küchenchef, gebe Schnippelanweisungen und hadere mit dem viel zu kleinen Wok. O. schaut mir neugierig über die Schulter, während ich die höchst simple Erdnusssoße zubereite.
Endlich essen. O. überwindet seine B&B-Blockade und findet beides lecker.
Im "Tatort" soll ein einstiger Partygast von O.&F. zu sehen sein, wir schalten ein und finden ihn lange nicht.
F. kommt erschöpft nach Hause und wärmt sich Essen auf. Wir finden "Titanic" im TV, F. glaubt, an meinem Akzent herauszuhören, dass ich aus Thüringen (!) käme. Beim genauen Hinhören fällt mir meine "ostdeutsche" Satzmelodie tatsächlich selber auf. Was tut man nicht alles, um sich von den Bajuwaren abzugrenzen :-)
Wir leiden und lachen mit Kate und Leo ("kimm zürick, kimm zürick!") und ich gehe schlafen, ein wenig bedauernd, dass ich morgen nochmal umziehen muss.
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04/11: Tourtagebuch München, Teil 5
Donnerstag, 29.10.Ich komme ein Bisschen bei S. an, fahre mit ihrem schnellen Radl zur Einzelprobe. Regisseurin T. weiß plötzlich nicht recht was mit mir anzufangen, wir probieren verschiedenes aus, einiges scheitert an meiner Müdigkeit.
Die Musikerinnen kommen dazu, wir probieren den Einlass-Song. Athmosphären funktionieren nicht, wir verwerfen viel, ich bin erschöpft.
Ich fahre mit dem frustrierenden Gefühl nach Hause, heute nicht gereicht zu haben.
S. hat Wäsche gewaschen und überlässt mir ihr Bett - herrlich!
Freitag, 30.10.
Ich hole Schlaf nach, lasse das Frühstück ausfallen und profitiere von meiner vorabendlichen Kauflust: Pizza und frischer griechischer Salat!
Ich räume S.'s Wohnung auf, T. ruft an, fragt, ob ich früher kommen kann, sie hätte da eine Idee. Panik kommt auf, warum nur? Ich verschiebe das Aufräumen auf später, werde aber trotzdem noch aufgehalten: Das Theatrium Leipzig ruft an und stellt einen erschreckenden Termin in den Raum: 15. November. Bis dahin müsste, sollte ich im Vorsprechen überzeugen, mein Arbeitsvertrag dort geschlossen werden, offizielle Meldung in Leipzig inklusive. Würde ich alle Konsequenzen in dem Moment richtig sehen, würde es mich umhauen. Ich fahre zur Probe.
T. versucht, nach anscheinend sehr vielversprechenden Einzelproben mit den Anderen, meine "Module" für die Performance einzugrenzen. Das geht schon besser, aber immer noch nicht überzeugend.
Die anderen kommen dazu, wir probieren die "Schimpfliste".
Ein Durchlauf folgt, es geht einigermaßen.
Bis auf zwei KollegInnen und mich gibt's freies Wochenende. Ich bin froh über eine weitere Einzelprobe, hoffe auf den Aha-Effekt und Ausgeschlafenheit.
Ich fahre zu S., räume weiter ein und auf und ziehe zu meinen neuen Gastgebern, O.&F. um, die mitten in der Altstadt wohnen.
O. empfängt mich sehr zuvorkommend, seine Freundin F. ist übers Wochenende zu ihren Eltern nach Dresden (hach, Dresden) gefahren.
O. zeigt mir die noch recht neu bezogene Wohnung, ich komme aus dem Staunen und Toll-Finden nicht heraus. Meine Couch steht auf dem ausgebauten Dachboden, direkt unter den alten Holzbalken. Aus dem Dachfenster sieht man gerade noch die Türme der Frauenkirche.
Wir kochen Nudeln mit Tomatensauce, ein Freund kommt vorbei, wir streiten über Kohlenoxide und essen schlimm-süße Geburtstagspralinen.
O. und sein Kumpel brechen zu einer weiteren Geburtstagsparty auf, ich verzichte und gehe bald schlafen.
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01/11: Tourtagebuch München, Einwurf
Bilder? Es gibt sie, massenhaft auf USB-Stick. Bis sie von dort den Weg bis in dieses blog schaffen, braucht euer Stolpervogel ein fügsames Bildbearbeitungsprogramm und Zeit. Beides bis auf Weiteres nicht vorhanden, Geduld tut not.31/10: Tourtagebuch München, Teil 4 - Intermission in Hamburg
Dienstag, 27.10.Ich passe S. im Bad ab, darf meine Sachen bei ihr lassen und reise mit leichtem Gepäck und in heiterer Stimmung.
Am Bahnhof gefühlte zehn Kilometer Fußweg bis zu meinem Abteil.
Der Zug ruckelt an, ich schreibe wackelige Moderationskärtchen mit Gurke vorne drauf.
Ich döse ein paar Viertelstündchen, obgleich mein Billig-Nackenhörnchen penetrant Luft verliert.
Ankunft Hamburg-Hauptbahnhof. Kurze Verwirrung angesichts der Ähnlichkeit mit München - bin ich etwa im Kreis gefahren? Touris mit bayerischem Akzent machen die transnationale Verwirrung komplett.
Ich sitze im McD mit Blick über die Gleise. Unter mir fährt ein ICE Richtung Berlin ab. Ich schicke eine Vermissens-SMS an M.
Fußmarsch zum "Sprechwerk", Schauplatz der ersten Vorrunde für das Internationale Festival für Theaterregie und erste "Vorrunde" für mich als frischgebackene Moderatorin.
Veranstalter und Ex-Dresdner Kollege D. ist nervös, ich auch, verberge es aber hoffentlich besser. Wir gehen mit den Juroren essen, ich fluche auf meinen Fast-Food-Anfall am Bahnhof, trinke nur nen Kiba.
Letzte Absprachen im Sprechwerk, das Publikum läuft ein, D. begrüßt alle, ich klettere mit leicht wackligen Beinen auf die Treppenstufen vor dem Vorhang. Im Publikum sitzt meine liebe Freundin und Kollegin A. und drückt die Daumen.
Fünf An- und Abmoderationen stolpern aus meinem Mund, die Gurkenkarten helfen. Lediglich ein Regisseur lässt mich ins Schleudern kommen: Wortkargheit seinerseits, Fraglosigkeit publikumsseits, Langsamkeit hinter dem Vorhang. Uaaah, was tun? Auch diese gefühlt endlosen Sekunden gehen vorbei, die letzte Moderation wird von kleiner Erleichterung beflügelt.
A. und ich machen uns auf den Heimweg, sie schiebt ihr Fahrrad in die S-Bahn.
Zwischenhalt Sternschanze. Wir kaufen Astra-Alster zum Gehen, A. findet die letzte noch offene Speisungsstelle und verputzt eine knallrot übergossene Currywurst.
Wir verpassen knapp den Bus, teilen uns das erste Astra an der Haltestelle, geschützt vor dem ewigem Nieselregen. A. schwelgt in Absturzerinnerungen.
Der Bus kommt und spuckt uns kurz darauf schon wieder vor A.'s Haustür aus. Wir sind beide müde und schlafen bald.
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30/10: Tourtagebuch München, Teil 3
Sonntag, 25.10.Ausschlafen mit Plus-Stunde, Geschenkübergabe an A., die sich sehr freut, anschließend kurzer Spaziergang zur Pinakotek der Moderne, das Wetter fast zu schön für Kunst.
Trotzdem rein (Sonntagseintritt 1,-), herrliches Umschauen im großzügigen Gebäude, Licht blinzelt durch die Rotunde.
Ich starte im ersten Obergeschoss, Thomas Steffl nimmt mich mit durch nackte Wälder und in schwingende Räume.
Weiter weiter, durch Räume, Räume. Beuys verstört und belustigt, Magritte begeistert. Der immer wieder zwischengeschaltete Blick über die Brüstung auf Großinstallationen und Rotunde räumt auf.
Ich schnappe ein paar Worte der jungen "Pi.lot"en auf - anscheinend Schüler oder Studenten, die ihr ausschnitthaftes Wissen über ihr Lieblingsbild weitergeben. Gutes Konzept.
Meine Aufnahmefähigkeit sinkt, die Design-Exponate rauschen nur noch an mir vorbei.
Abschließendes Stöbern im Museumsshop ein Muss.
Die Sonne lockt, ich verschiebe meine zweite Pinakothek und laufe in die Altstadt.
Hurra, Touri spielen! Ich kaufe mir eine Leberkäs-Semmel (wirklich nur mit viel Senf erträglich) und kraxele in einem plötzlichen Nostalgie-Anflug auf den "Alten Peter".
Wunderbare Aussicht: Die Berge! Ich schicke eine euphorische MMS an M.
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24/10: Tourtagebuch München, Teil 2
Mittwoch, 21.10.
Der Reiseplan verheißt meine Lieblingsstrecke, der Rhein erscheint aber erst hinter Bonn. Endlich Fotos machen.
Umsteigen in Mannheim, gar nicht lange her und ich wäre weitergefahren.
Nur noch drei Stunden.

Ankunft in Münchens monströsem Bahnhof. Bei Burger King kann man mit Karte zahlen - ein Crispy Chicken Menü landet in meinem nörgelnden Magen.
Bewehrt mit u_mag und Stadtplan zwei Stationen U-Bahn fahren. Kurze Verwirrung, da zwischen 29 und 31 etwas fehlt, aber meine erste CouchSurfing-Gastgeberin A. lotst mich sicher zu sich.

Kurzer Schwatz, mein Sofa ist größer als ihr Bett und lässt mich herrlich schlafen.
Donnerstag, 22.10.

Erster Probentag für "Poesie und Performance" im Schwere Reiter. Halbe Stunde Fußweg auf Umwegen.
Wiedersehen mit Ausnahmeregisseurin T., die lieber nachts noch theoretische Texte liest als zu schlafen. Unheimlich.
Erstes Briefing. T. eröffnet mir, dass es eine zweite Vorstellung am 4.11. geben wird. Neues Ticket buchen.
Einzelprobe mit der Tänzerin, ich finde mich schnell in die Materie, das Team staunt über meinen Stimmeinsatz.
Später stoßen drei weitere Kollegen dazu, wir drehen den Text durch die Impro-Mangel: "Das Ganze als antike Tragödie, bitte schön!"
Probenpause, ich finde den Schleichweg, im Pfützen-Slalom nach Hause. Dürüm kann man auch in München essen.
Bewerbung nach Leipzig geschickt, mit meinem lieben M. einen Skype-Schwatz für den Abend verabredet :-)
Abendprobe mit Kamera, die aber nur den Kollegen filmt, der bei der ersten Vorstellung fehlen wird. Viele schöne Impro-Durchläufe, Erschöpfung lauert.
Nachhauseweg vorbei an TaekWonDo und Bierstube. Ein erster Chat über die Ferne mit M., meinem lieben M. Ein paar Seiten "Spieltrieb". Schlaf, die Nase in M.'s T-Shirt gedrückt.
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23/10: Tourtagebuch München, Teil 1 - Warm up in Bochum
Montag, 19.10.Mitfahrgelegenheit inklusive familiärer Kleinquerelen: Tochters Navi versus Vaterwissen - wer gewinnt?
Ankunft bei meinem lieben Freund T., doppeltes In-die-Arme-Schließen, kleines Nachhausekommen - die Straße diesmal ohne Gewitter.
Currywurst im Rock'n'Rösti, wie-gehts-mir-wie-gehts-dir?
Wir lernen dazu im ab-achtzehn-Abteil und weinen angesichts passender Lattenroste.
Zuhause scheuche ich T. ins Schlafzimmer und werkele sein Geschenkprovisorium zusammen. Ungeduldige "wie lange dauert's noch"-Laute von nebenan werden professionell ignoriert.
Abhängen deluxe, der Abend kriecht bei Trash-TV, versprochenem Anti-Panik-Kraulen und TKP auf Mitternacht zu.
Korkenknallen, Sektfontäne (wo kam die plötzlich her?), ein unheimlicher Überraschungsgast mit Tiramisu und Wollmütze.
Geschenkübergabe, später Schlaf - "er braucht blaues Licht!"

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02/10: This girl is tocotronic

1
Abgestaubtes Tagesticket, Partytram, Fußweg in Fahrradfahrerjacke
angekommen im kvartira, KOOK
wen kümmern Kabel, wenn die venue stimmt
2
erste Zeilen vor Goldtapete, es ist Sommer, ich rühre Pudding
kleine Pointen fallen von der Schnur, zu rasch hintenangefädelt, ich drücke den lautlosen Auslöser
ein Knacken, ein Raunen, es geht auch ohne Membran dazwischen, Glas klirrt vor leiser Vorsicht an Zähne
3
wo wir uns finden, hören wir von Uwe
Spielzeugautos krachen ineinander, eine Mark für jede tote Maus, wer hat den Brand gelegt?
4
Leerlauf, das Bier noch halb voll
5
letzte Zeilen vor Freunden
ich komm nicht mit, ich geh nicht mit, eine einnehmende Ausnahme
Lokalkolorit wird abgebürstet, vielleicht leichter mitzunehmen so
6
im Halbdunkel ein Mann, eine Gitarre und Bruno Ganz ist Adolf Hitler
sein Kopf schüttelt Zeilen von sich, Gold überschlägt sich in der Kehle, wie heißt seine Band?
7
Geldfragen, Kinderfragen, ich schnappe nach Worten, stibitze ein paar Sätze
es geht uns gut
8
des Tagestickets letzte Reise, zuhause liegt "Geld oder Leben" neben dem Bett
wie gut zu lesen!




27/09: Frühstück nach Wahl

Nach unserem herrlichen Ausflug am Samstag lockte die Sonne M. und mich noch einmal nach draußen. Über Wahllokal 911 (ich) und Wahllokal 811 (M.) fuhren wir nach Kreuzberg ins Morena, M.'s Lieblings-Frühstückscafé. Zunächst im Schatten teilten wir uns das große Schweizer Frühstück und schnabulierten uns durch verschiedene Sorten Käse, Dekoobst und kleine süße Töpfchen. Neuentdeckung meinerseits: Ziegenkäse mit Honig. Kann man essen. Schmeckt sogar. Mein "Wonneproppen" genannter Smoothie enttäuschte ein wenig, schmeckte er doch sehr nach Banane und wenig nach den vielen anderen Zutaten (Ananas, Mango, Kokos). Nach einer Weile zog es unter dem Strauch und wir draufhin um in die Sonne, wo wir binnen Sekunden von Wespen umsummt waren. Hand übers Brötchen, Deckel über den Honig. Das Schweizer Frühstück schaffte uns, nicht umgekehrt, wenn auch in der Karte nichts von "für zwei Personen" stand. M. erzählte mir derweil von einem Bekannten, der als Videojournalist durch die Welt reist, immer auf der Suche nach skurrilen Geschichten und Sehenswürdigkeiten außerhalb des (touristischen) Alltags. Einer seiner Beiträge widmete sich dem langsamsten Orgelstück der Welt, geschrieben von John Cage, und dessen Aufführung, die seit 2001 läuft und zu den Klangwechseln immer viele Besucher anzieht. Das klang so verrückt, dass ich es nachgooglen musste: Hier steht mehr über das Projekt und dessen Durchführung in Halberstadt.
Uns fielen langsam die Augen zu, aber da wir beide noch zu tun hatten, bevor wir uns am Abend zum gemeinsamen Hören meiner Radiosendung wiedertreffen wollten, rafften wir uns auf und radelten durch den hellen Nachmittag Richtung Heimat. Nach einem kurzen Abstecher im Bettenladen M.'s Vertrauens, wo ich mich als Farb- und Stilberaterin anbot, verabschiedeten wir uns an historischer Stelle: Vor der "Budike" (oder dem Budike), immer noch angedachte location unseres geplanten Schweinebraten-Dinners in original Eckkneipen-Athmosphäre. Sobald der Plan in die Tat umgesetzt wurde, werdet ihr es hier erfahren. Bis dahin grüßt euch mit Sonne im Herzen
euer Stolpervogel