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03/09: Stimmbandakrobatik, Teil 2

Eigentlich dachte ich bisher, mit meinen fortgeschrittenen Jahren dem Stimmbruch entwachsen zu sein. Meine gestrige erste Musical-Audition belehrte mich eines Besseren: Nach dem Gekrächze und Gequieke, was sich da beim zweiten Song meiner Kehle entrang, hätte ich mich auch nicht zum Recall geschickt. Zum Glück saß vor mir nicht Dieter Bohlen, sondern sechs bis zum Schluss wohlwollend blickende und interessiert fragende Mitglieder des freien Ensembles MusikaLike Berlin. Ansonsten wäre ich wohl heulend und auf immer von sämtlichen Gesangsambitionen kuriert aus dem Raum gestolpert. So packte ich zwar frustriert und mit einer Absage rechnend mein Zeug zusammen, hatte aber noch die Muße, meine beiden draußen wartenden Kolleginnen von der Stimmung drinnen ins Bild zu setzen.
Was war schiefgegangen? Abgesehen von zehn bis zwanzig Tönen schlichtweg meine Selbsteinschätzung, die meine Stimme bereits als ausreichend einschätzte, was sie unter Nervosität und Anspannung eben nicht war. Bin eben (noch) kein Profi, that's it. Da helfen auch frisch rasierte und in High Heels endende Stolpervogelbeine nicht - zumindest nicht, wenn die wenigen Männer in der Jury höchstwahrscheinlich homo sind :-)
Anyway, einen Versuch war' wert. Mein Ferncoach J., der mich zumindest davon abhalten konnte, mich "Arielle"-like zum kostümierten Brot zu machen, riet mir derweil, doch zu "Popstars" zu gehen. Dee statt Dieter? Nee, dafür lohnt das Alter-Fälschen nicht. Dann doch lieber Sugarpop mit Katalin, dafür reicht dann auch die Stimme!
Krächzt

der Stolpervogel

28/08: Bratwursttheater


Würde man die Programmzettel oder Presseankündigungen für Deutschlands Sommertheaterinszenierungen vergleichen, träfe man sicherlich wiederholt auf Formulierungen wie "eine leichte Komödie", "ein Spaß für die ganze Familie", "beste Unterhaltung unter freiem Himmel" oder "XY vor atemberaubender Kulisse". Ja, und manchmal stimmt das auch alles. Nicht so beim Sommertheater am Alex, welches mich am Donnerstag in die Klosterruine ebendort verschlug, der Einladung zweier ehemaliger Kollegen folgend. "Die Gaunereien des Scapino" wurde gegeben, ein resistenter Sommertheater-Klassiker. Kann schlimm werden, muss es aber nicht, dachte ich mir optimistisch. Doch schon nach wenigen Minuten auf den als Tribüne dienenden Steinstufen rührte sich mein Theatergewissen zum ersten Mal: "Sie spielen schreckliche, pseudo-historische Dudelmusik vom Band ein. Na, das kann ja was werden..." Immer noch hoffnungsvoll wartete ich auf den ersten Auftritt, der mein Gewissen dann schon zum zweiten Mal piekste: "Oh nein, sie tragen irgendwie historische, auf jeden Fall bunte Kostüme auf Schultheater-Niveau. Help!" Mein ansonsten nahezu unerschütterlicher Optimismus litt erheblich.



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